Go Green

KiK bleibt KiK

13. Februar 2013
Kik Story

Letzte Woche lief im Fernsehen eine Reportage, die sich mit einem Thema beschäftigte, das in den letzten Monaten schon mehrfach in den Medien thematisiert wurde. Der Journalist Christoph Lütgert hat 2010 mit der “Die KiK-Story” für bundesweites Interesse gesorgt. Vor allem um Produktionsmethoden und Dumpinglöhnen sowohl bei den Näherinnen und Nähern in Asien, als auch bei den Verkäuferinnen in Deutschland. Sicherheitsmängel wurden aufgedeckt und an KiK gemeldet. Nach der Ausstrahlung versprach KiK, dass alles besser würde.

Nun brannte im September 2012 eine Textilfabrik in Karachi (Pakistan), die für den deutschen Textilhändler KiK produzierte. In der Fabrik gab es so gut wie keinen Brandschutz, über 250 Menschen verbrannten, viele bis zur Unkenntlichkeit. Für die NDR Sendung Panorama – Die Reporter hat Lütgert nun recherchiert, was sich denn bei KiK verbessert hat. Dafür reist er nach Karachi, besucht die ausgebrannte Fabrik und spricht mit Betroffenen und Zuständigen. Schockierende Informationen kommen zu Tage, Familien die bei dem Brand sechs Angehörige und damit ihre finanzielle Existenz verloren haben. Es sollte einen auch zum Nachdenken anregen, wenn ein deutscher Reporter von einem Pakistani in der Stadt Karachi, in der die meisten Menschen unter großer Armut in für uns nicht vorstellbaren Zuständen leben, gefragt wird, ob wir uns denn eine Jeans, wenn sie einen Euro mehr kostet wirklich nicht mehr leisten können.

Auch die Umstände und Sicherheitssituation in deutschen KiK Filialen in Deutschland wurden untersucht, mit nicht weniger schlimmen Ergebnissen. Zugestellte, doppelt verschlossene Notausgänge sind keine Seltenheit. KiK äußert sich dazu nicht, streitet dieses ab und schiebt die Schuld auf andere. Das KiK in Broschüren die Sozialverträglichkeit anpreist und die Produktionsbedingungen in Asien so darstellt, dass der deutsche Verbraucher mit gutem Gewissen einkaufen kann, ist wirklich erschreckend. Es scheint legitim und ziemlich einfach zu sein den deutschen Konsumenten zu verarschen.

Der NDR Reportage kann man in Teilen vorwerfen, dass sie sehr dramatisiert. Ich finde das bei diesem Thema jedoch durchaus angebracht. Der Journalist beschuldigt hauptsächlich den Textilkonzern KiK, dass diese eklatanten Mängel Folge der schrecklichen Preisdrückerei sei. Sicherlich trifft das zu. Sollte dich jedoch nicht auch der Konsument, der Verbraucher Gedanken machen, wenn er sich für 26 Euro bei KiK komplett einkleiden kann. An dieser Stelle sollte man auch die größeren Zusammenhänge sehen, KiK ist nicht der einzige deutsche oder europäische Textilhändler, der Preisdumping betreibt. Was ist mit C&A, New Yorker, H&M uvm. die einen großen Teil unserer Einkaufsstraßen bevölkern. Die Reportage macht einen nachdenklich und wenn man dazu gelangt sein Konsumverhalten zu hinterfragen, ist wohl viel erreicht.

Link zur Reportage von 2010, „Die KiK-Story“ und 2013 „KiK bleibt KiK“.

Kik Story

 

Das könnte dich auch interessieren

10 Kommentare

  • Avatar
    Reply haduseldu 13. Februar 2013 at 16:16

    KiK ist und bleibt wiederlich. Ein abartiges Unternehmen, dass verboten gehört. Gerade in Deutschland brauchen wir so etwas nicht.

  • Avatar
    Reply Dave 13. Februar 2013 at 16:22

    Ich halte nix vom Preisdumping,gute Mode und Qualität sollte man dementsprechend bepreisen,und von Hersteller die in Japan die ganzen Armen Menschen für sich Arbeiten lassen halt ich erst Recht nicht , jedoch ist dies was anderes und ist weit gefächert.

    Lg

    • Avatar
      Reply Daniel 13. Februar 2013 at 16:32

      Das Gegenteil, nämlich dass man Markenkleidung übermäßig bepreist, ist auch eine Unverschämtheit.

      • Avatar
        Reply Dave 13. Februar 2013 at 19:43

        Klar,man sollte schon eine Angemessene Grenze finden ,und ich weis auch das viele Labels ihre Marken für zu viel Verkaufen bzw man letztendlich viel nur für die Marke zahlt.

        • Avatar
          Reply Benjamin 13. Februar 2013 at 21:01

          Leider wird Markenkleidung oftmals genau in den selben Betrieben gefertigt wie Kik, H&M und Co. Es gibt verschiedene Dokus, in denen das aufgezeigt wurde. Ein höherer Preis bedeutet also nicht automatisch fairere Arbeitsbedingungen und höhere Löhne für die Arbeiter. Nur wenige Brands setzen wirklich auf faire Produktionsbedingungen und Nachhaltigkeit. Beispiele dafür sind Armedangels, Nudie Jeans und Knowledge Cotton Apparel, hier lohnt sich der Mehrpreis. Zum Teil werden diese Marken ja bereits in diesem Blog promotet, man könnte aber sicherlich noch mehr darauf hinweisen.
          Jeder kann einen Beitrag zur Verbesserung der oben genannten Probleme leisten, indem er genau schaut was er kauft. Oft wird ja auch das Argument gebracht, dass fair hergestellte Produkte viel zu teuer sind und viele sie sich nicht leisten können. Das mag teilweise stimmen, denn auch fair hergestellte Produkte sind oft überteuert. Auf der anderen Seite bekommt man bei dieser Art Produkten aber wirklich bessere Qualität als H&M und Co., zumindestens ist das meine Erfahrung. Des Weiteren denke ich, dass wir unsere Klamottenkauf-Gewohnheiten ändern müssen. Wenn ich mir Läden wie Primark ansehe, wo Leute mit prall gefüllten Tüten in jeder Hand rauskommen, nur um die Teile wahrscheinlich 3 mal anzuziehen und dann wegzuwerfen. Soetwas kann einfach nicht gut sein. Kein Mensch braucht jede Woche ein neues Outfit. Lieber sollte man sich vor jedem Klamottenkauf fragen, ob man das Teil auch wirklich braucht. Als modebegeisterter Mensch, wie auch ich es bin bzw. war, weiß ich, dass das nicht einfach ist. Aber wenn man sich nur alle paar Wochen bzw. Monate ein neues Teil gönnt, dass dann auch wirklich hält, was es verspricht, lernt man, die Dinge richtig wertzuschätzen. Somit kann man dann beim Klamottenkauf auch ruhig etwas tiefer in die Tasche greifen. Weiter Geld sparen kann man, indem man bis zum Sommer- bzw. Winterschlussverkauf wartet, dann werden ja viele Produkte stark reduziert.

          @Dave Um die armen Menschen in Japan brauchst du dir beim Klamottenkauf keine Sorgen machen, eher um Chinesen und Bengalen. Japan ist eine reiche Industrienation, dort werden keine Menschen für unseren Klamottenhunger ausgebeutet.

  • Avatar
    Reply Da 13. Februar 2013 at 17:38

    Panorama-“Recherche”. Da sind Zweifel schon mal grundsätzlich angebracht.

    Und wenn der Pakistani fragt, “ob wir uns denn eine Jeans, wenn sie einen Euro mehr kostet wirklich nicht mehr leisten können”, dann kann man gleich davon ausgehen, daß dieser Satz ihm vom Reporter in den Mund gelegt wurde – oder von der KiK-Konkurrenz.

    Womit wir bei der anderen spannenden Frage wären: Hat denn nur KiK in dieser Fabrik produzieren lassen? Gehört die Fabrik KiK? Hat KiK Einfluß auf die pakistanischen Behörden genommen, damit die das pakistanische Arbeitsrecht und die Sicherheitsbestimmungen ändern? Dreimal nein. Hier wird auf einen Strohmann eingedroschen, weil der Reporter zu feige ist, zu sagen, was er eigentlich sagen will: Deutsche, kauft nur aus Deutschland oder anderen akzeptablen Ländern.

    Ach. Am Ende des Tages gilt sowieso: Wer Mainstream-Medien konsumiert, bekommt genau die Welt gezeigt, die er sehen soll.

  • Avatar
    Reply Olli 1. März 2013 at 00:10

    Das ganze spiegelt sich doch in der welweiten wirtschaft wieder.es muß immer billiger werden die umsätze immer größer werden.die leittragenden sind immer die froh sind das sie arbeit haben und wenn es nur ein hungerlohn ist.

  • Avatar
    Reply lisa 7. März 2013 at 17:57

    Hallo,
    ich bin nicht für die Produktionsmethoden von kik aber wenn man sich die niedrigen preise mal anschut kann man sich als konsument doch denken, wie es produziert wird…
    Wenn man sich aber mal die Produktionsweise von Zara oder der Dachmarke vieler mittelklasse Modemarken: Inditex anschaut, diese sind auf dem selben Niveau wie von Kik..
    Da solltest du mal drüber schreiben…

    Liebe Grüße

  • Avatar
    Reply parker 14. März 2013 at 13:25

    poah ich bitte euch. das hier istn modeblog! ein blog über eine der menschenfeindlichsten branchen überhaupt! und ihr macht werbung für sie! und ja ihr seid indirekt auch an den toten schuld. vileicht nicht bei kik, aber bei tausend anderen, bei dnen es halt nicht rauskommt und bei denen dank euch weiter eingekauft wird.

    und sich dann von kik zu distanzieren ist ja wohl vollkommen panne? wollt ihr das nicht am besten gleich auch bei h&m, jack & jones, zahra, und wasweiss ich wie die alle heissen machen? auf einen einzelnen akteur hinzuweise ist mindestens genau so schlimm, wie bei diesem einzukaufen. weil ihr dann von den UNZÄHLIGEN anderen ablenkt

    die modeindustrie ist die perverseste, wenn es um die spanne zwischen herstellungskosten und verkaufspreis geht. 300% preisanstieg, wenns im laden steht ist vollkommen normal. 10 euro shirt wurde für 3,3 cent hergestellt.

    macht doch mal EIGENE recherchen bei so global playern wie tommy hilfiger etc. anstatt so pseude-like nene einzelnen fall anzusprechen und immer wieder auf die gleiche großhandelskette einzudreschen.

  • Avatar
    Reply Peter30 14. August 2014 at 09:44

    Ich wünsche mir, wie bei vielen Kosumthemen, eine Quelle, an der ich mir klar machen kann, wie, wo und für welchen Preis ich einkaufen will.

    Ich will wissen, welche Geschichte Produkte haben und wer für die Herstellung welchen Preis bezahlt hat. So kann ich entscheiden, was mir das wert ist, was ich dafür zahlen will – nicht viel weniger und nicht viel mehr.

    Der Weg zu so einem Wissen ist aber so weit und wird so schnell verwässtert und unklar, dass ich es selbst beim Essen, wo ich familienbedingt ziemlich viel Einblick habe, nicht unbedingt schaffe.

    Wie kann das gehen?
    – Erstens durch eine zentrale Informationsquelle, die kontrovers, mit Pro und Kontra und unter Beteiligung verschiedener offen genannter Autoren die Strukturen und die Funktionen einer Branche offenlegt. Sowas muss es schon geben. Wo finde ich es speziell für Klamotten? Antwort erwünscht

    – Zweitens durch solche Unterhaltungen hier und Zufallsfundstücke. Das Problem dabei – ich hab nicht genug Zeit, über alles, was ich kaufe, zufällig in Blogs und Foren Wissensschnipsel zu finden und sie dann zu einem aussagekräftigen Bild zusammenzusetzen. Manchmal passt es trotzdem. Eine Veränderung, die sich auf dieses beknackte System auf notwendige Art auswirkt, kommt so aber, meiner Meinung nach, nicht ausreichend in Gang.

    – Drittens indem ich meinen Konsum meinen Möglichkeiten anpasse. Nicht nur, was die Kohle angeht, sondern auch meine Möglichkeiten, die Folgen eines Kaufs zu überblicken. Ergo – ich kaufe ein T-Shirt nicht, wenn ich nicht weiß, ob ich damit ein Millionstel des Schadens anrichte, von dem ich ahne, dass er vielleicht passiert. Wenn Laden und Label mich nicht überzeugen, und dazu braucht es dann wirklich vertraunswürdige Argumente, dann kauf ich NICHT. Das hat krasse Auswirkungen auf den Konsum. Hin zu regional – weil aus dem Vogtland der Informationsfluss besser funktioniert, als aus Bangladesch. Hin zu wenig aber gut – weil ich lieber über ein Teil und eine Marke lerne, als über zwölf. Und hin zu weniger insgesamt – weil konsumieren so plötzlich harte Arbeit ist. Dafür weiß ich, dass wegen meinem Zeug mit geringerer Wahrscheinlichkeit aus primärem oder sekundärem Anlass Leute sterben.
    Einkaufen als harte Arbeit? Kommt mir irgendwie beknackt vor, aber anders geht nur alles kaputt.

    Die Alternative wäre, Strukturen und Institutionen zu vertrauen, dass sie ihre Arbeit richtig machen und auf einfache Betrügereien, die ihnen die Taschen füllen, freiwillig verzichten. Dass es so einfach nicht läuft, haben die letzten 150 Jahre gezeigt.

    Muss täglich eine halbe Stunde einkaufen lernen…

  • Kommentar schreiben

    Ich akzeptiere