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Mit einem Bein im Modelbusiness

23. August 2012
Beinproteste auf dem Laufsteg

Heute berichten wir euch von einer etwas ungewöhnliches Erfolgsgeschichte, die es so wohl nur ein Mal gibt. Der Einzug der Männer ins Modebusiness war ein großer Schritt der Gleichberechtigung von der anderen Seite, waren doch die Herren festgelegt auf das Klischee des Ernährers, während sich Frauen Stück für Stück in Film-, Politik- und Wirtschaftsbranchen nach oben arbeiteten.

Doch endlich auf dem Laufsteg angelangt bekamen auch die Männer schnell die Kehrseite dieser Welt zu spüren. Die begehrten Models waren vor allem eines: männlich. Großgewachsen, durchtrainiert und vor Kraft strotzend wurde erneut ein klares Männlichkeitsbild manifestiert. Während die Frauenwelt, gelangweilt vom Einheitsbrei bereits Diversität und Persönlichkeit entdeckte, räkelten sich muskelbepackte Schränke weiterhin am Strand und lehnten an Hausmauern. Die weibliche Welt wollte nicht noch mehr Bademode, hier wurde die Welt nicht nur verschönert, sondern verändert.

Waris Dirie schrieb Bücher gegen die Beschneidung, Kate Moss bestach durch Knabenhaftigkeit und Beziehungen zu Hollywood Stars, Helena Christensen verzaubert noch mit über 40 die Modewelt und fotografiert gleichzeitig selbst.

Währenddessen wurde ein strohblonder deutscher Junge in einer Imbissbude in Hamburg von einem Modelscout angesprochen. Der 1985 Geborene trainierte seinen Körper zwar auch gerne, spielte Basketball und Fußball, doch es gab einen kleinen Unterschied, er hatte nur ein Bein. Schmerzhafte Operationen und eine Beinprothese ließen ihn wieder laufen und den Fokus auf etwas anderes richten: Die Willenskraft.

Mario Galla lief 2010, mit nur 25 Jahren, bei der BerlinerFashionWeekineiner kurzen Hose über den Laufsteg, ein Gang, der seinen Durchbruch besiegelte. Wurde er erst gebucht, obwohl er nur ein Bein hatte, wollen ihn die Modemacher jetzt genau deswegen. DieZDFReihe „37 Grad hat ihn bereits begleitet und Mario will jetzt auch New York begeistern. Auch er hat ein Buch geschrieben mit dem passenden Titel: „Mit einem Bein im Modelbusiness.“

Trotz all dem Gerede um Frauen und Männern ist das, was die Geschlechter vereint, sehr viel größer, als die Unterschiede. Nur ein kleiner Prozentsatz der Menschheit sieht so aus, wie von der Werbung vorgeschrieben. Trauer, Leid, Liebeskummer und Wut trifft Männer ebenso wie Frauen. Wir alle versuchen, etwas aus uns zu machen, uns gut zu kleiden, beachtet zu werden und geliebt.

So ist der Laufsteg letztendlich ein Vorreiter und Spiegelbild der Gesellschaft. Wie wir gerne sein würden, wie wir wirklich aussehen, und dass grade die Unterschiede das Leben so unglaublich spannend und kreativ machen.

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3 Comments

  • Reply Julia 24. August 2012 at 12:17

    Was für eine beeindruckende Story! Verfolge seine Geschichte schon eine Weile und freue mich richtig, dass er so einen Erfolg hat und jetzt sogar Shorts und Bademodepräsentiert.
    Schön zu sehen, dass die Modewelt offener wird und sich traut viele Facetten unsere Gesellschaft zu zeigen!
    Viele Grüße, Julia von Maxwell Scott Lederwaren

  • Reply marie sträucher 18. September 2012 at 23:04

    Der sieht wirklich gut aus, da fällt die Prothese gar nicht auf… Ich finde es gut, dass mal eine andere Seite gezeigt wird, obwohl Michalsky ja immer sehr schräge Typen für seine Shows engagiert. Trotzdem schön geschrieben.

  • Reply Anna 23. November 2012 at 15:54

    Bewundernswert.. Ich finde es toll, dass so jemand eine so wunderbare Chance bekommt zu zeigen was er kann auch wenn er ein wenig eingeschränkt ist.

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